Klassische Musik online - Aktuelles, Konzerte, Biographien, Musik & Videos im Netz.

Klassische Musik und Oper von Classissima

Lang Lang

Montag 27. Februar 2017


Crescendo

13. Februar

Frau Bariton

CrescendoLucia Lucas lebte als Mann. Seit 2014 lebt sie als Frau – nicht jedoch auf der Bühne. Eine tägliche Transformation. Lucia Lucas ist Baritonistin. Moment mal. Frauen sind doch in der Regel So­pran, Mezzosopran oder Alt, Männer Tenor, Bariton oder Bass? Dass dieses System an seine Grenzen kommt, zeigt sich schon, wenn man versucht, Countertenöre darin unterzubringen. Lucia Lucas ist trans und das beste Beispiel dafür, dass wir anhand einer Singstimme nicht auf das Geschlecht einer Person schließen können. Vor wie nach ihrer Geschlechtsangleichung steht sie auf der Opernbühne – früher als Bariton, seit 2014 als Baritonistin. Dass sich der Wunsch nach einer Geschlechtsangleichung mit ihrer Bühnenkarriere vereinbaren lassen könnte, hielt sie nie für möglich: „Ich hatte immer im Hinterkopf, zuerst Karriere zu machen und danach meine Geschlechtsangleichung zu machen.“ Die Amerikanerin kam vor sieben Jahren nach Deutschland, sang zuerst an der Deutschen Oper Berlin, dann am Badischen Staatstheater Karlsruhe. „Bis zu meinem Coming-out war ich unsichtbar. In der Presse bekam ich ordentliche Kritiken – ‚solide gesungen‘ und so weiter. Danach änderte sich das.“ Doch eigentlich hatten die Operationen und auch die Hormonbehandlung so gut wie nichts an ihrem Gesang oder ihrem Repertoire geändert. Weiterhin verkörpert sie die Machos und Bösewichte, die das Baritonfach bereithält. Doch ihr Verhältnis zu den Rollen hat sich gewandelt: „Da ich nun keinen Mann mehr im realen Leben spielen muss, fällt es mir leichter, diese Rollen auf der Bühne zu verkörpern. Rollen wie Fritz Kothner aus den Meistersingern, Monterone in Rigoletto oder Biterolf in Tannhäuser waren für mich wie ein Fenster, durch das ich in die Zukunft blicken konnte, wie es wäre, wenn ich mich nicht für die Geschlechtsangleichung entschieden hätte. Für jede Vorstellung verwandelte ich mich in der Maske, ich bekam graues Haar und wurde auf alt geschminkt. Es war, als ob ich 50 oder 60 Jahre alt wäre. Der Gedanke damals, noch 20 bis 30 Jahre ohne die Geschlechtsangleichung weiterzuleben, machte mich wütend. Wenn ich diese Rollen jetzt spiele, ist das nicht mehr so, weil sich mein privates Aussehen jetzt so sehr von dem auf der Bühne unterscheidet.“ Im Herbst 2014 brachte sie mehrere Operationen hinter sich, die ihrem Gesicht weiblichere Züge verliehen. Vor allem für die Kollegen, die mit ihr auf der Bühne interagieren, ist es einfacher, wenn sie zum Beispiel einen Kunstbart trägt. Der Unterschied zwischen ihrem Bühnenkörper und ihrem privaten Körper ist also entscheidend. Für die Bühne ruft sie die männlichen Verhaltensweisen, Gesten und Haltungen wieder ab, die sie als Kind erlernt hatte, um sich gesellschaftlich anzupassen. Derzeit sind Fotografien von Lucia Lucas im Rahmen der Ausstellung „Wohin, wohin?“ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe zu sehen. Der Fotograf Johannes Kaplan fing in mehreren Fotoserien schlaglichtartig verschiedene Aspekte ihres Lebens ein und gibt damit zum Teil sehr private Einblicke in das (Seelen-)Leben der Sängerin: „Mein Anliegen ist es, ehrliche, authentische Eindrücke ohne unnötige Effekte zu vermitteln. Ich will nicht irgendein Klischee bedienen.“ Fotos im Abendkleid hängen neben Aufnahmen, die in ihrer Garderobe im Theater entstanden sind oder sie zusammen mit ihrer Ehefrau Ariana Lucas, ebenfalls Opernsängerin, in ihrer Wohnung zeigen. Gleichzeitig erklingt eine Aufnahme von Lucia Lucas’ Fliegendem Holländer – einer Rolle, mit der sie sich besonders verbunden fühlt. Die Fotos, die allesamt nach ihrer Geschlechtsangleichung entstanden sind, beleuchten auf metaphorische und teils abstrakte Weise, was sie in den letzten Jahren durchlebt hat. Zeitweise war Johannes Kaplan selbst verblüfft, wie sich die Ausstrahlung der Sängerin vor der Kamera veränderte: „Der Kunstbart wurde ihr in der Maske des Staatstheaters zwei Stunden lang mühevoll angeklebt. Tatsächlich hat er auch eine starke Verwandlung ihrer Persönlichkeit bewirkt. Als ich sie anschließend in Männerkleidung fotografiert habe, kam das aggressiv Männliche sehr stark zum Vorschein.“ Die Tristesse, die in manchen Bildern mitschwingt, ist nicht zufällig. Lucia Lucas selbst fällt es schwer auszudrücken, was sie mit den Fotos verbindet. Es sind Erinnerungen vor allem an die Zeit in Karlsruhe, die sie immer noch aufwühlen. Denn „das Härteste in Karlsruhe war nicht meine Geschlechtsangleichung, sondern damit umzugehen, wie andere mich wahrnehmen. Ich habe meine Geschlechtsangleichung für mich selbst gemacht – für niemand anderen –, aber ich kann mich nicht von meinen Mitmenschen abschotten.“ In den ersten Monaten nach ihrem Coming-out nahm sie sich viel Zeit, mit Kollegen über ihre Geschichte zu sprechen. Das rege Interesse und die Neugierde – eine Phase, die sie heute als „honeymoon period“ bezeichnet – flauten zum Teil ab. Manche zeigten weiterhin viel Verständnis, manche keines. Schiefe Blicke, abfällige Kommentare und vor allem menschliche Enttäuschung prägten diese Zeit, in der ihre Frau ihr ein Fels in der Brandung war. Seit Herbst 2016 ist sie freischaffend tätig und zurzeit auf der Wuppertaler Opernbühne zu sehen. Ein Neuanfang für sie, auch künstlerisch: Derzeit steht sie als Celio in Die Liebe zu den drei Orangen auf der Bühne – im Abendkleid. Mehr und mehr stößt die Transfrau szenische Neuinterpretationen an, die das Geschlecht in der Oper neu denken. Doch letztlich ist ihr eines viel wichtiger: „Natürlich gibt es Menschen, die mir wegen meiner Geschichte Aufmerksamkeit schenken, aber ganz unabhängig von meiner Situation bin ich einfach Sängerin. Ich mache Karriere, obwohl ich trans bin, aber nicht weil ich trans bin.“ Jasmin Goll Die Ausstellung von Johannes Kaplan mit Fotografien von Lucia Lucas läuft noch bis Dezember 2017 im Badischen Landesmuseum Karslruhe. Lucia Lucas ©Johannes Kaplan Lucia Lucas ©Johannes Kaplan Lucia Lucas ©Johannes Kaplan

nmz - neue musikzeitung

gestern

Frische Impulse für eine altehrwürdige Gattung

„Happy New Ears“: Junge Oper als Thema eines Festivals und einer Konferenz in Mannheim Ende November 2016 fand in Mannheim das Musiktheaterfestival „Happy New Ears“ statt. Eine satte Woche lang konnte man 14 liebevoll ausgewählte europäische Produktionen bestaunen, die den Stand der Dinge widerspiegeln sollten in Sachen Jugend-Oper beziehungsweise – wie sich vielmehr herausstellen sollte – junge Oper. Unter dem gleichen Titel fand zu Anfang des Theaterfestivals am Nationaltheater parallel und eng mit selbigem verwoben eine dreitägige internationale Konferenz statt. Weiterlesen




Crescendo

13. Februar

Musik und Gender: Und was ist, wenn die Falten kommen? - Musik und Gender

Dirigentinnen sind genervt von den ewigen Fragen zu ihrem Geschlecht. Aber sie fallen noch auf – solange sie jung und hübsch sind. Was für ein Skandal! Als eine der ersten Frauen am Pult der Berliner Philharmoniker präsentierte Lise Maria Mayer 1929 neben Werken von Beethoven und Weber auch ihre eigene Tondichtung Kokain. Viele Konzertbesucher gerieten in Rage. Weniger wegen der Musik, sondern weil sie vorn im Parkett keine Dame mit weißen Rosen erblickten. Mayers Ehemann hatte nämlich eine fingierte Heiratsanzeige aufgegeben, um Käufer für die teuersten Konzerttickets zu finden. Heute führen Auftritte von Dirigentinnen normalerweise nicht mehr zu Tumulten. Und doch haben diese Frauen mit Lise Maria Mayer eines gemeinsam: Sie sind gegenüber ihren männlichen Kollegen weiterhin deutlich in der Minderzahl. Dass eine solche Ungleichheit im 21. Jahrhundert fortbesteht, erscheint skandalös. Das Lucerne Festival lud deshalb im vergangenen Sommer Dirigentinnen und Komponisten dazu ein, sich unter dem Motto „PrimaDonna“ gemeinsam vorzustellen. Das Interesse der Öffentlichkeit war offensichtlich groß. Doch ist die Geschlechterfrage für die Künstlerinnen selbst ein wichtiges Thema? Die einhellige Antwort darauf lautet: Nein! „Ich wache ja nicht morgens auf und sage mir: Hey, ich bin eine Frau, meint die kanadische Sängerin und Dirigentin Barbara Hannigan in dem Film „Maestras – der lange Weg der Dirigentinnen ans Pult“, der am 11. März um 21.15 Uhr auf 3sat ausgestrahlt wird. „Mich macht es eher traurig, wenn mir die Frage gestellt wird, wie ich mich als Frau am Dirigentenpult fühle. In meinem Beruf spielt dieser Gedanke für mich überhaupt keine Rolle“, sagt Joana Mallwitz, seit der Spielzeit 2014/15 Generalmusikdirektorin des Theaters Erfurt, im Interview mit crescendo. „Dirigieren bedeutet Kommunikation, die auf einer individuellen Körpersprache beruht. Der Klang des Orchesters wird dadurch direkt beeinflusst. Einen typisch männlichen oder weiblichen Dirigierstil kann ich nicht erkennen.“ Mallwitz, Jahrgang 1986, ist allerdings auch davon überzeugt, dass frühere Generationen von Dirigentinnen erst einmal das Eis brechen mussten. Hätten Kolleginnen wie Simone Young, Marin Alsop oder Sylvia Caduff nicht wertvolle Pionierarbeit geleistet, wäre es für die jungen Dirigentinnen heute sicherlich schwieriger, sich zu behaupten. Caduff, 1937 in Chur geboren, steht im Fokus des Films über die „Maestras“, den Günter Atteln und Maria Stodtmeier im letzten Sommer in Luzern gedreht haben. Ihre künstlerischen Anfänge sind beeindruckend. Die Schweizerin studierte Dirigieren bei ihrem Mentor Herbert von Karajan, gewann 1966 den prestigeträchtigen Mitropoulos-Wettbewerb in New York und assistierte ein Jahr lang Leonard Bernstein. Anders als Claudio Abbado, dem der Preis eine Weltkarriere eröffnete, landete Caduff jedoch in der deutschen Provinz und wurde 1977 Generalmusikdirektorin in Solingen. Im Jahr darauf sprang sie für den erkrankten Karajan am Pult der Berliner Philharmoniker ein. Seither haben nur Simone Young, ebenfalls als Einspringerin, sowie die Finnin Susanna Mälkki und die französische Barockexpertin Emmanuelle Haïm die Philharmoniker dirigiert. Macht auszuüben, habe sie nie interessiert, bekennt Caduff vor der Kamera. „Wenn ich boxen muss, dann lasse ich es lieber bleiben. Vielleicht ist das eine falsche Einstellung. Vielleicht müsste man ja nur ein bisschen boxen.“ „Für mich steht immer die Musik im Vordergrund. Allerdings gibt es in dem Beruf inzwischen auch viele Frauen, die vor allem ihre Karriere im Blick haben“, meint die griechische Komponistin, Dirigentin und Ensemblegründerin Konstantia Gourzi, die außerdem Professorin an der Hochschule für Musik und Theater in München ist. Im Sommer 2016 leitete sie unter anderem die Uraufführung ihres Werks Ny-él, two Angels in the White Garden mit dem Orchester der Lucerne Festival Academy. Die traditionellen gesellschaftlichen Rollenmuster seien mittlerweile zwar aufgebrochen, sagt sie im Gespräch mit crescendo. „Doch wenn Männer und Frauen gleich gut sind, fällt die Wahl weiterhin meistens auf den Mann.“ Komponierende und dirigierende Männer hätten es zudem leichter, in ihrer Doppelrolle wahrgenommen zu werden. Frauen würden dagegen eher auf eine einzige Tätigkeit festgelegt. „Lange Zeit galt der Grundsatz ,Mulier taceat in ecclesia‘ – ,Das Weib schweige in der Gemeinde‘. Nur der Mann hatte das Recht, das Wort zu führen“, meint Susanne Stähr, Dramaturgin beim Lucerne Festival. „Am Dirigentenpult hat es besonders lange gedauert, bis dieser Mechanismus durchbrochen war. An deutschen Hochschulen beträgt der Anteil der Dirigierstudentinnen mittlerweile immerhin schon etwa 30 Prozent. Trotzdem sind wir noch nicht da, wo wir sein müssten.“ Dass die 30-jährige Litauerin Mirga Gražinytė-Tyla als Nachfolgerin von Andris Nelsons Musikdirektorin des City of Birmingham Symphony Orchestra geworden ist, sieht Stähr als „Quantensprung“. Die interessante Frage bleibe aber, ob Frauen auch dann noch am Dirigentenpult akzeptiert würden, wenn sie nicht mehr jung und drahtig seien. Hochbetagte männliche Kollegen wie Bernard Haitink und Herbert Blomstedt würden weiterhin von Orchestern eingeladen. „Doch wird die Gesellschaft irgendwann reif sein für eine greise Maestra? Im Moment sehe ich das noch als großes Tabu.“ Corina Kolbe



Klassische Musik und Oper von Classissima



[+] Weitere Nachrichten (Lang Lang)
26. Okt
Basler Zeitung Kl...
25. Okt
Basler Zeitung Kl...
22. Okt
nmz - KIZ-Nachric...
22. Okt
nmz - neue musikz...
20. Okt
ouverture
17. Okt
Crescendo
14. Okt
Crescendo
14. Okt
Crescendo
14. Okt
Crescendo
14. Okt
Crescendo
13. Okt
Crescendo
13. Okt
Crescendo
13. Okt
Crescendo
11. Okt
Brilliant Classic...
10. Okt
nmz - neue musikz...
10. Okt
nmz - KIZ-Nachric...
7. Okt
Musik der Zeit
6. Okt
nmz - neue musikz...
6. Okt
nmz - neue musikz...
3. Okt
nmz - KIZ-Nachric...

Lang Lang




Lang im Netz...



Lang Lang »

Große Künstler

Klavier Beethoven Chopin Klavierkonzerte Rachmaninov

Seit Januar 2009 erleichtert Classissima den Zugang zu klassischer Musik und erweitert deren Zuhörerkreis.
Mit innovativen Servicedienstleistungen begleitet Classissima Neulinge und Musikliebhaber im Internet.


Große Dirigenten, Große Künstler, Große Opernsänger
 
Große Komponisten der klassischen Musik
Bach
Beethoven
Brahms
Debussy
Dvorak
Handel
Mendelsohn
Mozart
Ravel
Schubert
Tschaikowski
Verdi
Vivaldi
Wagner
[...]


browsen Zehn Jahrhunderte der klassischen Musik...